Südengland / Isle of Wight Frühjahr 2015

Südengland / Isle of Wight Frühjahr 2015


Südengland / Isle of Wight Frühjahr 2015

Südengland / Isle of Wight Frühjahr 2015

Reisebericht Südengland / Isle of Wight Frühjahr 2015

 

Ende Februar 2015 besuchte ich zwecks Fossiliensuche Südengland, sowie die der Küste vorgelagerte Insel Isle of Wight. Der Zeitpunkt war ganz bewusst so gewählt, da zwar nicht mit dem besten Urlaubswetter zu rechnen war, aber jedoch mit besseren Fundchancen. Im Winter tosen Stürme gegen die Küste und lösen aus den zahlreichen Klippen oftmals Brocken heraus, die dann als neues Material angesucht werden können. Die besuchten Küstenabschnitte bestanden zu einem großen Teil aus Kreidefelsen, die eben im Zeitalter der Kreide gebildet wurden. Neben der Tatsache, dass es gefährlich ist, aus den Klippen selbst heraus Material zu bergen, ist es auch teils schlichtweg verboten, so dass man darauf angewiesen ist, dass die Felsen abbröckeln und man das herausgelöste Material dann am Strand untersuchen kann. Hier sind die Fundmöglichkeiten naturgemäß dann am besten, wenn die Felsstürze gerade erst erfolgten. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Angereist nach England bin ich mit meinem Auto. Ich wollte ja möglichst viele Fossilien problemlos wieder mit nach Hause nehmen können. Von Köln aus fuhr ich zunächst nach Calais in Frankreich (ca 400 Kilometer) und von dort mit der Fähre nach Dover (1,5 Stunden Überfahrt). Um die Zeit war am Fährhafen nicht viel los. Ich hatte eigentlich für 18 Uhr gebucht, war aber schon um 14 Uhr da. Die Zwischenzeit wollte ich eigentlich nutzen, um in Calais Markasitknollen zu suchen, die es dort gibt. Der Fährhafen war jedoch so unübersichtlich und zudem abgetrennt - es war kein ersichtlicher Zugang zum Strand möglich - dass ich darauf verzichtete und stattdessen die Fähre umbuchte, was dann auch problemlos möglich war. So fuhr ich denn schon früher rüber auf die Insel.

In Dover angekommen, suchte ich das Hotel auf und machte erste Bekanntschaft mit dem auf der Insel geltenden Linksverkehr. Zum Glück waren es nur 2 Kilometer bis zum Hostel. Im ersten Kreisverkehr hatte ich doch kurzzeitig arge Orientierungsprobleme. Dass sollte während der Zeit auf der Insel immer wieder vorkommen. Bei der Einfahrt in einen Kreisverkehr oder auch beim Überqueren einer Straße als Fussgänger schaut man als Kontinentaleuropäer immer konzentriert nach links, obschon der Verkehr in England natürlich von der anderen Seite kommt. Hier ist tatsächlich erhöhte Aufmerksamkeit geboten...

Beim Aufsuchen des Hostels erblickte ich auf dem Hügel, an dessen Fuße sich die Stadt Dover befindet, eine große Burg. Ich beschloss dann, die wenigen Tagesstunden noch zu nutzen, um diese Umgebung zu erkunden. Vom Stadtzentrum aus fand ich einen Fußweg hinauf zu der Burg. Die Treppe war von Mauern eingefasst, die zum großen Teil aus Feuersteinknollen gemauert war. So bekam ich eine erste Vorstellung von dem, was mich in den kommenden Tagen erwartete. An der Burg angekommen, stellte ich fest, dass diese geschlossen war. So machte ich denn einen Rundgang um die Burg. An einer Bushaltestelle konnte ich dann einen ersten Seeigel - zwar arg ramponiert und angewittert, aber als solcher erkennbar - auffinden. So hatte ich mir das vorgestellt!. Hinter der Burg befindet sich ein Zugang zu den "White Cliffs", den Kreidefelsen von Dover. Dort ging ich dann auch noch hin, was sich aber auf diesem Weg als gefährlich erwies, da die enge, kurvenreiche Straße keinen Fußweg aufweist. An den Kreidefelsen genoss ich dann noch kurz die Aussicht , kehrte dann über einen sicheren Fußweg südlich der Burg nach Dover zurück und schloss den ersten Tag ab.


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Am zweiten Tag stand ich früh auf; ich hatte viel vor. Zunächst fuhr ich von Dover in das ca. 6 Kilometer entfernte Folkestone, um die in meinem "Reiseführer" beschriebene Fundstelle Copt Point aufzusuchen. Dazu muss ich noch mitteilen, dass mir das Buch "Fossilien sammeln in England, Wales, Schottland" von Herwig Wulf als Orientierungshilfe diente. Alle besuchten Fundstellen sind in diesem Buch exakt beschrieben, auch wenn einige Angaben veraltet sind (so gibt es die Landmarke am Hanover Point zum Beispiel nicht mehr, diese wurde nach einem Sturm abgetragen). Ich fuhr also in Folkestone angekommen, wie in dem Buch beschrieben, die küstennächste Straße am Hafen in östlicher Richtung. Verwundert war ich nur, dass diese nach wenigen Metern bereits endete; das war so im Buch nicht beschrieben. Ich parkte trotzdem und ging die am Wasser befindliche Uferpromenade entlang. Diese endete dann auch bald und ging hinter einer Absperrung in ein Geröllufer vor einer kleinen Landzunge über. Dort begann ich mit der Fossiliensuche. Ich wurde dort auch bald fündig. Ammonitenbruchstücke, die teils mit Schalenerhaltung weiss oder rötlich schimmerten, sowie die Muschel Inoceramus sulcatus, konnten aufgesammelt werden. Auch wurden zwei vollständige Ammoniten in Matrix gefunden, von denen einer bei der Vorpräparation leider zerbrach. Der andere wurde daraufhin belassen und wartet nun auf Präparation. Zudem zeigten einige schwarze Knollen beim Öffnen schöne Pyritbänderungen und somit war auch in Bezug auf Mineralien etwas zu finden.

 

fossilien_folkestoneFolkestone_promenadepyrit_folkestone

Obschon ich wohl nicht die in meinem Reiseführer beschriebene Fundstelle gefunden hatte - zumal dort an der Promenade auch keine Belemniten aufgefunden werden konnten, die am Capt Point eher häufiger vorkommen sollen - war ich mit der Ausbeute zunächst zufrieden und fuhr nach ca. 2 Stunden intensiver Sammeltätigkeit nach Dover zurück, um hier an den "White Cliffs", den Kreidefelsen, nach Fossilien zu suchen. Diesmal fuhr ich denn auch mit dem Auto dorthin. Der Weg führt nördlich an der Burg vorbei und dann über die Autobahn drüber auf die Kreidefelsen, wo sich Parkmöglichkeiten befinden. Die Landschaft an den White Cliffs erwies sich, wie ich auch am Tag davor schon festgestellt hatte, als atemberaubend. Störend war jedoch der ständige Lärm aus dem nahegelegenen riesigen Fährhafen, der den Erholungseffekt doch merklich minderte. Insgesamt bleibt ohnehin festzustellen, dass Dover nicht die beste Wahl als Ausgangspunkt für die ersten Tage war. Die Stadt ist laut und in der Mitte von einer mehrspurigen Straße durchschnitten, auf der Tag und Nacht dicke LKW rollen, die vom und zum Fährhafen fahren. Die Fossilienausbeute in Dover selbst war zudem mager, zumal ich an den White Cliffs dann auch feststellen musste, dass der Zugang zum Strand unter den Felsen, wo ich hoffte, fündig zu werden, durch einen Felsabsturz nicht möglich war. Dies merkte ich jedoch erst, als ich fast den gesamten Abstieg hinter mir hatte, so dass mir ohne Ausbeute nur wieder der mühselige Weg nach oben blieb. Nichtsdestotrotz war der Besuch des White Cliffs ein erster Einstieg, was mich im weiteren Verlauf der Reise erwarten sollte. Von Fossilienfunden her und vom Erholungseffekt sollten jedoch noch weit ergiebigere Orte folgen. Da nunmehr nach Besuch des White Cliffs noch ein wenig Zeit bis zum Sonnenuntergang war, fuhr ich die Straße weiter nach Osten, da ich den Wegweiser "St. Margarete at Cliff" gelesen hatte und dort auch Fossilien zu finden sein sollten. Hier erwies sich der Weg hinunter an den Strand als sehr abenteuerlich. Dieser windet sich in engen, steilen Serpentinien ca. 2 Kilometer in die Tiefe. Man kann froh sein, wenn einem hier kein Auto entgegenkommt! Der Strand selbst ist von Felsen umrahmt. Fündig wurde ich hier in dem durch das Niedrigwasser freigelegten Fels, auf dem ein schöner Seeigel aufgelesen werden konnte. Ein zweiter Seeigel konnte ebenfalls aufgefunden werden. Dieser befand sich am Ende eines Feursteinbrockens, der wie folgt entstanden ist: Bestimmte Meeresbewohner gruben zu Zeiten Frassgänge in den Meeresboden, die sich dann mit Sand und Resten von anderen Meeresbewohnern füllten und dann versteinerten. Dieser Seeigel am Ende eines solchen Frassganges war jedoch arg zerbeult, aber aufgrund der Maserung als solcher erkennbar. Der zweite Tag wurde dann in einem Pub in Dover zu Ende gebracht.


seeigel_st_margarete

Der dritte Tag stand ganz im Zeichen der Kultur. Zunächst besuchte ich - da an diesem Tag denn mal geöffnet - die weitläufige Burg (kann man sich sparen, mit 17 Pfund (=ca. 30 €) viel zu teuer), sowie das Museum in Dover. Das Museum bietet als Attraktion ein im Ort geborgenes Holzboot aus der Bronzezeit, sowie viele zu bestaunende Artefakte aus dieser Zeit, so dass meine weitere Vorliebe für Artefakte auch befriedigt werden konnte. Interessant war auch der in einer Schleife vorgeführte Film über die Bergung des Bootes, in dem ich meine Englischkenntnisse testen konnte. Neben der Bronzezeit sind auch andere Epochen vertreten, bis hin zur viktorianischen Zeit, aus der einige skurille technische Geräte ausgestellt waren, die mich an den Film "Die Zeitmaschine" (Version aus den 1950er Jahren) erinnerten.

dover_burgDover_Museum

Am nächsten Tag fuhr ich dann die Küste entlang nach Eastbourne, wo ich die dort befindlichen Kreidefelsen besichtigen und absuchen wollte. Die Klippe des Beachy Head, mit 164 m die höchste Kreideklippe England, konnte ich nicht aufsuchen, da die dorthin führende Straße entlang die Küste wohl aufgrund der Tatsache gesperrt war, dass Sonntag war und die Bevölkerung promenieren wollte. So fuhr ich zum Birling Cap, indem ich von Eastborne aus nach Westen auf der A259 in Richtung Eastdean fuhr und vor Eastdean nach Süden abbog. Am Birling Cap befindet sich ein Cafe und auch Toiletten, so dass ich dort den ganzen Tag verbringen konnte und immer wieder Pausen mit Kaffee einlegen konnte. Die Klippen hier werden "Seven Sisters" genannt, obschon es eigentlich nur sechs Klippenabschnitte sind, die aber durch sieben Talungen eingeschnitten sind. Die Klippen stellen, wenn am Strand entlang Fossilien sucht, eine recht beeindruckende Kulisse dar. Der Küstenabschnitt ist teils übersäht mit aus den Klippen herausgelösten Brocken, die ich auf der Suche nach Fossilien bearbeitete. Fündig wurde ich jedoch in den ebenfalls zu tausenden vorhandenen Feuersteinknollen. Hier konnte ein schöner Seeigel in Matrix befindlich geborgen werden.

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Nach Übernachtung in einem schönen, muckeligen Fremdenzimmer in Eastbourne (Langtons) direkt am Meer fuhr ich dann am nächsten Tag Richtung Isle of Wight. Leider hatte ich nicht beachtet, dass wir nunmehr Montagmorgen hatten, so dass ich dann erst einmal auf der oft einspurigen küstennahen Straße im Berufsverkehr feststand. Bevor ich mich jedoch in das Chaos von Portsmouth stürzte, besuchte ich noch den Ort Bracklesham südlich von Chichester. Laut meinem Reiseführer sollten hier bei Niedrigwasser ganze Bänke von Turmschnecken und Muscheln aus dem mittleren Eozän zu finden sein. In Bracklesham angekommen setzte ich mich erst einmal in das Strandcafe und orderte ein typisches englisches Frühstück, da zur Zeit auch gerade noch Flut war und lies die Zeit verstreichen, las und frühstückte ausgebiebig. Nach mehreren Stunden - es war immer noch kein Niedrigwasser - kam ich mit einem örtlichen Sammler ins Gespräch. Dieser erzähle mir, dass an dem Strand auch oft fossile Haifischzähne gefunden wurden - und durchaus auch am Strand bei Flut. Ich begab mich daraufhin natürlich sofort auf die Suche, hatte aber keineswegs den Eindruck Zeit vertrödelt zu haben, schließlich war ich im Urlaub. Es fanden sich jedoch keine Haifischzähne und auch die Muschelbänke zeigten sich nicht, da alles von Sand bedeckt war. Dies soll zu ungünstigen Zeiten auch laut meinem Reiseführer gelegentlich vorkommen. So hatte ich halt Pech gehabt. Auf dem Sand konnten jedoch etliche Exemplare der Turmschnecken und Muscheln geborgen und gefunden werden. Auch fand ich unter den zahlreichen Feuersteinen am Strand einige sehr schön pastellmäßig bunte Exemplare, deren Färbung mich an den gerade zur Zeit in Mode befindlichen polychromen Jaspis erinnert und den ich mal polychromen Flint nennen möchte.

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Am Abend fuhr ich dann nach Portsmouth zur Fähre (ist nicht allzu schwierig, wenn man immer den Schildern folgt) und setzte zur Isle of Wight über. Mein Domizil befand sich in Brooks südlich von Freshwater, was sich im folgenden für meine Bedürfnisse als hervorragender Ausgangspunkt herausstellen sollte. Ich hatte nämlich nur noch 2 Tage Zeit und widmete diese Zeit ausschließlich der Suche nach Dinosaurierknochen am Hanover Point an der Westküste. Hatte ich eigentlich nicht vor (die Isle of Wight hat mehr als ein Dutzend Fundstellen zu bieten), hat sich aber dann so ergeben. Der Zugang zum Meer in Brook befindet sich direkt südlich vom besagten Hanover Point und dies war für einen Fossiliensucher auch tatsächlich ein sagenhafter Platz. Am Strand befinden sich versteinerte Fußabdrücke vom Dinosaurier Iguanodon, die dort frei zugänglich und von jedermann zu bestaunen sind. Zwar hatte ich zuvor Fotos von den Abdrücken gesehen, aber dann tatsächlich vor Ort zu sein und sich bildlich vorzustellen, dass an diesem Ort vor mehr als 100 Millionen Jahren dann auch tatsächlich ein Dino entlanglief, der genau diese Abdrücke hinterließ, zog mich völlig in den Bann. Örtliche Sammler erzählten mir dann auch, dass der Küstenabschnitt südlich des Hanover Points als Dinoküste bekannt sei und auch Knochenstücke gefunden werden könnten. So einen wollte ich finden. In meinem Reiseführer war denn auch ein Bild eines solchen versteinerten Knochen. Es zeigte einen unscheinbaren schwarzen Kisel mit kleinen Löchern, die der ehemaligen Knochenstruktur entsprechen, teils gefüllt mit Kalk. Sah eigentlich recht "gewöhnlich" aus. So sammelte ich alles ein, was meiner Vorstellung von einem solchen Dinoknochen in etwa entsprach. Nach Rücksprache mit örtlichen Sammlern war jedoch kein Dinoknochenstück dabei. Zum Glück zeigte mir eine Strandspaziergängerin einen von ihr gefundenen Knochen (den sie jedoch nicht an diesem Tag gefunden hatte), so dass ich eine klarere Vorstellung von dem gesuchten bekam und gezielter suchen konnte. Ich konnte jedoch trotz zweitägiger intensiver Suche kein Knochenstück finden. Die Vorstellung war jedoch auch fast schon vermessen. Ein Sammler teilte mir zum Beispiel mit: "Some Collectors need a lifetime to find a bone." also "manche Sammler brauchen ein Leben, um einen Knochen zu finden". Aber andererseits, wieso soll man kein Glück haben? Ich hatte jedoch leider keins....Nichtsdestotrotz: Landschaft und Wetter waren top und ich befand mich den ganzen Tag am Strand und in der Seeluft. Ist doch auch etwas.

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Gefunden habe ich doch noch etwas: Am Strand sind oft Stücke von fossilem, verkohltem Holz zu finden, welches teils über Pyritbesatz verfügt und entsprechend - durch den Kontrast des schwarzen Holzes und des goldenen Pyrit - sehr schön anzuschauen ist. Gemäß meinem Reiseführer und nach Aussagen der örtlichen Sammler zersetzt sich dieses Material an der Luft leider rasch. Ich versuche zur Zeit, die mitgenommenen Stücke mit Klarlack und / oder Kleber zu konservieren. Hoffentlich gelingt mir dies, da die Stücke optisch wirklich sehr schön aussehen. Zudem konnten am Hanover Point noch einige Feuersteinknollen mit ausgebildeten Quarzkristallen gefunden werden. Zudem waren bei Niedrigwasser noch einige versteinerte Baumstämme (Araukarien) zu finden und zu erkennen - insgesamt ein Paradies für Fossilienfreunde.


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Insgesamt ein toller Urlaub mit attraktiven Funden, natürlich viel zu kurz und nur ein erster Einblick in die reichhaltigen Fundstellen in Südengland.