Marokko2

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Marokko - Ostern 2013

 

Über Ostern 2013 besuchte ich zusammen mit meinem Kumpel Philipp erneut Marokko. Ziel unserer Rundreise war unter anderem Erfoud am Rand der Sahara, dass bekannt für seine Fossilienvorkommen ist.

 

Wir landeten in Marakesch. Nach einer Nacht in dieser Metropole machten wir uns auf den Weg ins Land, nicht ohne uns zunächst fast hoffnungslos in der verwinkelten Stadt zu verfahren. Die Gassen, durch die wir fuhren, wurden immer enger und waren teils schon überdacht. Um aus dieser Sitatuion herauszukommen, mussten wir einen ortskundigen Fahrradfahrer engagieren, der uns vorausfuhr, und uns so aus dem gröbsten herauslotste.

 

Endlich aus Marakesch hinaus, fuhren wir Richtung Quazarate. Erstes Highlight auf der Fahrt war der Tizi´n´Tichka Pass, über den es in endloser Serpetinenfahrt ging. Entlang des Passes gab es immer wieder Mineralienhändler, die ihre Ware auf Tischen an der Straße feilboten.


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    Mineralienangebot am Tizi´n´Tichka Pass

 

 

 

 

 

 

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      die Pass-Straße

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Kuriosität entlang der Straße waren die Marokkoaner, die am Straßenrand immer wieder grellorange gefärbte Drusen anboten. Diese waren auch ohne Kennerblick als offensichtlich unecht zu klassifizieren. Ein Händler an der Straße, dessen Angebot ich inspizierte, sprach dann auch von "painted minerals". Das Angebot der Händler bestand oft aus Quarz- und Barytstufen, die teils schon lange angeboten wurden und daher auch Witterungsspuren aufwiesen. Ein paar schöne Stücke konnte ich dann doch ergattern. Ein genaues Hinsehen lohnt sich hier. Preislich ist das Angebot auf Touristen abgestimmt. Hält ein Interessant am Straßenrand an, versucht der Händler ihn direkt in seinen Laden zu locken, um ihm seine besonderen Stücke zu zeigen. Hier ist das Angebot teils ganz beachtlich.

 

Nach Vorbeifahrt an Quazarate ging es auf der "Straße der Keshbas" Richtung Sahara. Wir besuchten die imposanten Schluchten Dades und Todhra und fuhren weiter nach Erfoud. Hier trafen wir den Händler Mohamed Segaoui, den ich über facebook kannte und der uns die nächsten Tage begleitete. Nach einem ersten Kennenlernen ging es dann zu der Fundstelle Boutchrafin bei Erfoud. Hier liegen Schichten des Devon, des Silurs und des Ordovizium parellel angeordnet nebeneinander. In den einzelnen Zeitaltern waren jeweils eine Fossilienart hauptsächlich vertreten. So finden sich in Boutchrafin hauptsächlich Seeilien mit schön ausgebildeten Kelchen, sowie Orthoceraten. Die Fossilien werden hier in langen Gräben geborgen.

 

Zunächst fuhren wir zu der Crinoidenfundstelle. Arbeiter haben hier quadratmetergroße Löcher einige Meter in den Boden getrieben. Von dort aus arbeiteten sie sich waagerecht in den Fels hinein und treiben bis zu 10 Meter lange Tunnel in den Fels. Die Löcher erinnerten mich an den Vanadinitabbau in Mibladen. Es ist auf jeden Fall eine harte und gefährliche Arbeit.

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    Crinoiden - Abbau

 

 

 

 

 

 

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    unpräparierte Seelienplatten von der Fundstelle

 

 

 

 

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   Fundstelle Boutchrafin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Platten werden, aus dem Fels herausgeholt, vor Ort wie ein Puzzle zu größeren Platten zusammengelegt und auch teils grob präpariert. Die Arbeiter arbeiten selbstständig. Ihnen werden die Fossilien von den Händlern vor Ort abgekauft. Ein Arbeiter erzählte, er habe drei Monate kein Fossil bergen können und in dieser Zeit daher auch wenig zu essen gehabt.

 

Nicht weit von der Crinoidenfundstelle entfernt fanden sich die Orthoceraten. Das fossilhaltige Gestein wird hier teils in großen Blöcken aus einem Grabe geborgen, der sich bereits kilometerweit in der Landschaft erstreckt. Aus dem Gestein werden die bekannten polierten schwarzgrauen Orthocerasplatten, sowie auch Skulpturen und Alltagsgegenstände wie Teller oder Aschenbecher gefertigt. Vor Ort konnte ich aus dem Schutt des Abbaus noch einige Belegexemplare sammeln.

 

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 Orthocerashaltiges Gestein in Boutchrafin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dieser interessanten Besichtigung fuhren wir zum "Steinbruch" genannten Stammsitz der Familie Segaoui, wo sich ein ganzes Areal mit in der ganzen Umgebung gesammelten Fossilien fand, quasi dem Tafelsilber der Familie. Auch Artefakte aus der Steinzeit wie Faustkeile und Mörserplatten haben Generationen der Familie zusammengetragen.

 

 

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   Mohamed Segaoui im "Steinbruch"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag fuhren wir zu der Dinosaurierfundstelle Taouz. Mit einem Kleinwagen die Schotterpiste zur Fundstelle abzufahren war schon sehr abenteuerlich. Fast blieben wir im Sand stecken und einige leichte Aufsetzer waren auch unvermeidlich. An der Fundstelle parkten wir und kletterten dann in den Fels, wo Arbeiter Stollen in die Wand getrieben hatten. Philipp konnte auf Anhieb ein kleines Bruchstück eines Spinosaurierzahns bergen.

 

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 auf dem Weg zur Fundstelle

 

 

 

 

 

 

 

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    Arbeiter in Taouz

 

 

 

 

 

 

 

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 Blick von der Fundstelle in die imposante Landschaft

 

 

 

 

 

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 Die Stollenlöcher von Taouz

 

 

 

Auf dem Anstieg zur Fundstelle fanden sich zudem schöne Sandrosen, die teils enorme Ausmaße annahmen. Nach Besichtigung der Fundstelle fuhren wir ins nahegelegene Dorf, wo uns ein Händler zu einem leckeren Mahl einlud (Brot mit eingebackenem Lauch). Nach dem Essen begann das Feilschen und ich erwarb einige schöne Spinoaurierzähne und Sandrosen (obschon ich vorher selber ein paar sammelte, aber nicht so schöne).

 

Wir besichtigten dann noch die Sanddünen der Erg Cebbi als Ausläufer der Sahara, was aber eher langweilig war. Man kam sich vor wie auf dem Weg zum Strand, nur das kein Meer in der Nähe war.

 

Dann besichtigten wir den Laden von Mohamed mit entsprechendem Einkauf und schauten uns an, wie die Fossilien von Boutchrafin verarbeitet wurden. Auf einem staubigen Hinterhof lagen die wie Puzzleteile zusammengesetzten Platten mit den Seelilien und wurden präpariert. Das Rohmaterial wurde teils chemisch behandelt, um die natürlichen Färbungen zu betonen und mit Präpartionsnadeln wurden die Kelche detailliert.

 

Die ganze Szenerie erinnerte an das Endzeitszenario eines Filmes wie Mad max, was durch in dem Hof aus einem alten Filmdreh gelagerten, vor sich hin rottenden Windmaschinen verstärkt wurde.

 

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  im Laden der Segaouis

 

 

 

 

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 Mad Max Atmosphäre in Erfoud

 

 

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Präparator bei der Arbeit

 

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Seelilienkelch

 

 

 

 

 

 

 

Auch die Arbeitsstaätten, wo die Orthoceraten zu Skulpturen und Gegenständen verarbeitet wurden, waren heiss und staubig. In Unterständen schlifen und polierten die Arbeiter die Stücke. Ein harter Broterwerb.

 

 

 

 

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 Steinverarbeiter bei der Arbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag wurde Abschied von Mohamed genommen, dem ich nochmals für seine Gastfreundschaft danke und vorbei am ca. 90 Kilometer entfernten Alnif (welches für Trilobitenvorkommen bekannt ist), ging es Richtung Meer, um noch ein paar Tage Strandurlaub zu machen.

 

Nach einer Nach in der schönen Oase im Draatal mit herrlichen Palmengärten erreichten wir das Meer und wollten in Tagazout 20 Kilometer nördlich von Agadir einfach nur die Sonne geniessen. An Fossilien war zunächst nicht mehr gedacht. Dann machte ich am Strand nördlich von Tagazout am Ortsausgang doch noch eine Entdeckung. Hier befanden sich versteinerte Muschelschillschichten direkt am Strand, die teils zu großen Blöcken abgerundet waren, auf denen man sich herrlich aalen konnte. Auch einige kleine Lesesteine mit fossilisierten Muscheln konnte ich bergen. Zwar kein Vergleich zu dem enormen Fossilvorkommen im Landesinneren, aber immerhin.

 

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   Alnif

 

 

 

 

 

 

 

 

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  Muschelschill am Strand von Tagazoute

 

 

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Lesesteine mit fossilen Muscheln

 

 

 

 

 

Fazit: Eine anstrengende Reise, die jedoch viele Erkenntnisse besonders darüber gebracht hat, unter welchen Bedingungen in Marokko Fossilien geborgen werden.