Marokko - ein Reisebericht

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Marokko

Marokko

Hier nun meine Eindrücke von meiner Marokko-Reise Mitte März nach Marokko:

 

Wir, dass heisst Philipp und ich, flogen von Weeze/Niederrhein nach Fez. Dort waren zwei Tage eingeplant, um uns einen Eindruck von dem Land und seinen Leuten zu machen. Die Altstadt wurde besucht und als sehr schön und für uns westlich orientierte Menschen als sehr anregend empfunden. Den Titel Weltkulturerbe trägt diese in mehr als 800 kleinen Gässchen verwinkelte Labyrinthstadt zu Recht. Der Besuch der Altstadt wurde mit einem kundigen Führer unternommen, der uns letztendlich auch zu den touristisch interessanten Punkten (Tore der Moschee, Gerberei), aber insbesondere zu befreundeten Teppichhändlern und seinen sonstigen "Freunden" schleppte.

 

Nach zwei Tagen war ich jedoch froh, das hektische Fez Richtung Provinz zu verlassen. Ziel war Midelt im mittleren Atlas. Midelt ist ein wichtiger Handels- aber auch Fundort von Mineralien.

 

Die Fahrt von Fez nach Midelt legten wir in einem Taxi zurück, natürlich nicht ohne von den geschäftstriebigen Helfern über den Tisch gezogen zu werden. Aber wir waren ja im Urlaub.

 

In Midelt angekommen, stellten sich direkt mehrere Guides vor, die uns alles zeigen wollten, natürlich nicht ohne uns Mineralien anzubieten. In Midelt hat jeder Marokkaner Mineralien und Fossilien zu Hand, die er Touristen anbietet. Manchmal war es schon etwas viel, man konnte noch nicht einmal über die Straße Zigaretten holen ohne angesprochen zu werden.

 

Wir fassten dann schnell Vertrauen zu einem Guide namens Ahmed, der uns - wohl auch im eigenen Interesse - die anderen geschäftstüchtigen Händler ein wenig vom Leib hielt. Natürlich besuchten wir im Gegenzug den Mineralienhandel eines Bekannten von Ahmed, der aber auch dann ein reichhaltiges Sortiment mit schönen Marokkomineralien vorweisen konnte. Ich erwarb dort einen Wulfenit, Vanadit und einige andere Stücke.

 

Nach kurzer Eingewöhnzeit fuhren wir zwei Tage später mit Ahmed zur Exkursion nach Aouli. Aouli ist eine Geisterstadt, in der früher Bergbau betrieben wurde und die nach Auflassung nunmehr nur noch von einer Handvoll Leuten bewohnt wird. Die Fahrt mit dem - von Ahmed so genannten - "Berbercar" ging durch eine landschaftlich atemberaubende Schlucht auf einer schmalen Piste.

 

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Ungefähr nach fünf Kilometer Sandpiste hinter Aouli wartete die erste Fundstelle auf uns. Der Fahrer bog von der Piste auf eine kaum sichtbare Fahrspur ab und nach wenigen Metern war das Ziel erreicht. Hier, mitten in der Geröllwüste, waren Achate zu finden.

 

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Ich machte nach dem Aussteigen die Probe aufs Exempel und nahm mir den erstbesten Stein zur Hand. Nach einem Ausdruck der Überraschung - Philipp sagte, ich hätte geschrien;) - sah ich, dass die Stufe übersäht war von Bergkristallen bis zu 2,5 cm Größe. Das fing ja gut an.

 

Ahmed zeigte uns dann, wie man die häufig zu findenen Achatknollen nach marokkanischer Art öffnet: Einfach auf einen Stein als Untergrund gelegt und dann vorsichtig, aber auch kräftig mit dem Fäustel drauf. So konnten wir jede Menge Achate bergen.

 

Nach der Suche fuhren wir weiter durch die Geröllwüste zur zweiten Fundstelle: Sidi Ajad. Die ehemalige Mine zu besuchen ist nicht ganz ungefährlich. Ein mehrere Meter tiefer Spalt tut sich im Gestein auf.

 

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Malachit, Azurit und Bleiglanz waren in sehr ansprechender Ausführung zu bergen beziehungsweise lagen dort zum Einsammeln bereit herum. Philipp machte die Probe aufs Exempel und stieg unter sachkundiger Begleitung durch Ahmed ein Stück in den Spalt vor und konnte dort auch einige schöne Malachitbrocken bergen.

 

Und dann erwartete uns die nächste Überraschung: Hier in der Einöde, kilometerweit weg von jeder menschlichen Behausung fand sich ein Beduinenzelt und vor dem Zelt waren in schöner Reihe Mineralien zum Kauf im Angebot. Unser Ahmed sagte natürlich, viel zu teuer - natürlich nicht ohne den Hintergedanken, dass wir mit dem gesparten Geld etwas für ihn tun würden (nicht bös gemeint).

 

Danach gings wieder zurück in der klapprigen Berbercar zum Hotel, natürlich erst nachdem wir noch einen Mineralienhandel in Mibladen besuchten, wo uns allerdings auch einige schöne Stücke einfach geschenkt wurden.

 

Den Vanadinitabbau in Mibladen haben wir leider nicht besucht, dafür fehlte einfach die Zeit. Auf der Fahrt waren lediglich die Halden zu sehen.

 

Nun wurden insgesamt ca. 10 Kilo Mineralien gesammelt oder gekauft. Ich entschloß mich, diese per Paket zu versenden und machte so noch meine Erfahrung mit der marokkanischen Post. Nach etwas längerer Wartezeit - es gibt keine Schlangen, man muss sich vordrängeln - beschied mir der Beamte, ich würde noch ein "Papier" benötigen, für den Zoll. Dieses könne nur ein Mineralienhändler ausstellen. So fuhr mich Ahmed dann zu einem Händler, wo ich einen Ammoniten erwarb und der Händler mir schließlich den begehrten Stempel gab. Auch das ist Marokko.

 

Das Paket kostete mich übrigens fast 60 Euro. Das nächste mal nehm ich weniger Gepäck mit...

 

Fazit: Marokko ist ein sagenhaft schönes Land mit breitem Mineralienangebot. Die Leute sind geschäftstüchtig und wollen einem immer das Geld aus dem Portemonaie locken. Ein Beispiel: An einem Abend saßen Philipp und ich auf der Dachterrasse unseres Hotels. Ein Mann war dabei, die Wand zu streichen (mit einem Pinsel, mit einer Rolle hätte er nur eine halbe Stunde benötigt, so war er den ganzen Tag dran). Wir unterhielten uns ganz nett mit dem Maler und erzählten, wir seien auf der Suche nach Mineralien und Fossilien. Später, als wir es uns im Hotelzimmer gemütlicht gemacht hatten, klopfte es. Es war der Maler, der uns einen Trilobit anbot. Den erwarb ich zwar, weil es ein schönes Stück zu einem günstigen Preis war, aber das zeigt, man war noch nichtmal im Hotelzimmer vor den teils aufdringlichen Händlern sicher.

 

Aber sobald man sich mit der doch ganz anderen Mentalität angefreundet hat, sind Land und Leute sehr symphatisch.

 

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