Lindlar (Bergisches Land) 12.10.2014

Lindlar (Bergisches Land) 12.10.2014


Lindlar (Bergisches Land) 12.10.2014

Lindlar - Suche nach Seelilienstielgliedern (12.10.2014)

 

Endlich, endlich konnte ich heute noch einmal ein paar Stündchen Zeit abzwacken, um auf die Suche nach interessanten Funden zu gehen. Ziel meines kurzen Sonntagsausflug war Lindlar im Bergischen Land, ca. 30 Kilometer östlich von Köln. Lindlar lag vor 390 Millionen Jahren, im Zeitalter des Mitteldevon, an der Küste eines tropischen Meeres. Dieses zog sich von der Eifel über Bergisch Gladbach bis hin zu der Gegend um Lindlar. Durch Sandablagerungen und den hohen Druck der folgenden Jahrmillionen entstand in Lindlar, die sogenannte Lindlarer Grauwacke. Dieser Stein wird in mehreren Steinbrüchen am Berg Brungerst im Norden von Lindlar abgebaut. Verwandt wird die Grauwacke vor allem als Pflasterstein und Bodenbelag. Als Bodenplatten findet man den Stein in Dubai, ebenso wie in einer Lounge des Frankfurter Flughafen oder auch - hauchdünn geschnitten - im Badezimmer der Yacht des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch.

Gemäß meiner vorherigen Recherche im Internet sollen sich in der Grauwacke vor allem Negativabdrücke von Seelilienstielgliedern der Gattung Rhipidocrinites crenatus finden. Die zusammengespülten Stielglieder der Seelilie lösten sich in Lindlar bei der Fossilisation auf und ließen lediglich die typische Form als Negativabdruck zurück.

Ein Allerweltsfossil sozusagen. Nichtsdestotrotz erschien mir Lindlar für diesen Sonntag als lohnendes Ziel und dies aus zwei Beweggründen: Erstens muss ich leider später noch für meinen Hauptjob eine Fristsache fertigen, so dass eine längere Fahrt nicht in Betracht kam. Der zweite Grund ist jedoch dieser, dass ich im Lädchen öfters nach lohnenden Zielen vor allem von Kindern gefragt werde, die selber Fossilien und Mineralien sammeln wollen. Da bietet sich Lindlar an, zumal es in einer halben Autostunde von Köln aus zu erreichen ist.

So fragte mich denn auch vor ca. fünf Wochen ein Junge, was man denn in Lindlar finden könne, er würde auf Klassenfahrt dort in der Jugendherberge wohnen und gerne Fossilien sammeln. Da ich noch nicht in Lindlar war, musste ich da auch erst einmal im Internet googlen und sagte ihm, da müsse er dann in der Jugendherberge nachfragen. Laut Internet vermittelt diese Fossiliensuchen in den Steinbrüchen. Der Junge kam dann von der Klassenfahrt zurück und erzählte mir, er habe jede Menge Fossilien gefunden, so viele, dass er sie nicht alle mitnehmen konnte und durfte.

Um nun beim nächsten Mal, wenn ich gefragt werde, nicht so dumm dazustehen, entschloß ich mich heute, den kurzen Weg nach Lindlar auf mich zu nehmen und mir an Ort und Stelle ein Bild von den Fundmöglichkeiten zu machen.

So fuhr ich denn die Autobahn Richtung Olpe und dann die Abfahrt "Untereschbach" heraus, da ab dort Lindlar ausgeschildert war. Ich denke, ab der Ausfahrt "Overath" ist es eigentlich kürzer, aber der sichere, ausgeschilderte Weg ist landschaftlich sehr reizvoll und führt durch die durch sanfte Hügel geprägte Landschaft des Bergischen. Allein diese Fahrt war die Zeit schon wert, ich war jedenfalls froh, noch mal aus Köln herauszukommen und über Land zu fahren.

Kurz vor Lindlar befand sich eine Baustelle, wo ein neuer Straßenabschnitt gebaut wurde. Dort hielt ich an in der Hoffnung, an diesem Aufschluß fündig zu werden. Leider war das dort anstehende Gestein fossilarm. Nur ein oder zwei kleine Negativabdrücke konnten entdeckt werden. Eine weitere Suche erschien mir dort nicht lohnend. Daher fuhr ich zu dem Berg Brungerst. Die Steinbrüche waren, da Sonntag war, leider geschlossen. Nach den im Internet recherchierten Informationen dürfte es aber kein Problem sein, eine Sammelerlaubnis zu bekommen und es werden ja auch geführte Touren und Sammelaktionen angeboten. Hier lohnt eine entsprechende Recherche oder ein Anruf bei der Jugendherberge. Ich suchte heute jedoch den Bereich um und hinter den Steinbrüchen nach Fossilien ab und wurde dort auch fündig. Neben zwei als Pflasterstein bearbeiteten Stücken konnte auch ein 35 x 25 x 22 cm großer Gesteinsbrocken entdeckt werden, der an seiner Oberseite hälftig über und über mit hunderten Seelilienstielgliedern bedeckt ist. Ein schöner Fund, der für Lindlar jedoch nicht selten sein soll und der jetzt bei mir im Lädchen zu bewundern ist. Da die Zeit knapp wurde, fuhr ich noch schnell zur Jugendherberge. Dort wollte ich eigentlich weitere Informationen einholen. Es war jedoch gerade Essensausgabe, so dass ich nicht den Ablauf stören wollte und nur ein paar Prospekte bezüglich des von mir besuchten "Steinhauerpfads" rund um die Steinbrüche mitnahm. Diese enthalten auch eine Karte der Umgebung.

Die Prospekte liegen auch bei mir im Lädchen aus und können bei Interesse gerne abgeholt werden. Ende vom Lied ist, dass ich trotz der Kürze der Zeit - ich hatte mich leider nur ca. 2 Stunden in Lindlar aufhalten können - schöne Fossilien fand. Es handelt sich zwar um "Allerweltsfossilien", die im Bereich devonischer Fundstellen massig auftreten, aber für einen Ausflug mit Kindern, die Fossilien sammeln wollen, ist Lindlar von Köln aus sicher ein lohnendes Ziel. Lindlar ist bekannt für seine Pflanzenfossilien aus dem devonischen Zeitalter. Solche konnten in der Kürze der Zeit natürlich nicht gefunden werden. Man kann in den Steinbrüchen aber mit Glück derartige finden.

Zurück in Köln machte ich dann noch einen kurzen Besuch am Rudolfplatz. Ein Artikel im Internet beschrieb, dass die Grauwacke aus Lindlar auch beim Straßen- und Pflasterbau in Köln Verwendung fand und ein Foto zeigte einen mit Fossilien übersähten Pflasterstein vom Rudolfplatz. Den wollte ich noch auf die Schnelle finden. Am Friesenplatz ausgestiegen, suchte ich dann das Pflaster nach Fossilien ab (muss einen komischen Anblick geboten haben) und ich wurde auch bis zum Rudolfplatz zweimal fündig und fand zwei Pflastersteine auf den Kölner Ringen mit Fossilien. Also immer Augen offen halten!!

Na, jetzt haben wir ja schon 15 Uhr, da werde ich jetzt mal meine Fristsache bearbeiten....

grosser_Klotz_1

 

 

 

 

 

 

 

großer Brocken, übersäht mit Seelilienstielgliedern

grosser_Klotz_2

Lindlar_klein

Lindlar (nicht mein Fotos)

Stielglieder

Pflaster_1_klein

Pflasterstein aus Lindlar mit Seelilienstielgliedern, fotografiert auf den Kölner Ringen

Pflaster_2_klein

noch ein Pflasterstein von den Kölner Ringen